Saturday, July 14. 2007Unbetitelte Parabel
Der Mann, der viele Namen trägt, zieht heute einen Karren hinter sich her, aus dem Kracher und Raketen ragen. Es ist bald Neujahr, so hofft er auf gute Geschäfte.
Halt macht er in einer bekannten Straße und klopft an die Türen. Als sich einige Menschen um ihn versammelt haben, beginnt er, all die Feuerwerke anzupreisen, verliert sich ausschweifend in deren Pracht und bald glitzert es aus den Augen der Leuten wie leuchtende Explosionen am Himmelszelt. "Und wer denkt an die Gefahren?", mahnt eine Stimme von hinten. Und dann sind sie da, die Bilder von verkohlten Leibern mit verstümmelten Gliedmaßen; alle sind furchtbar betroffen. Der Mann lacht und winkt ab. Einer Frau drückt er einen Böller in die Hand. "'s wird ihnen auch nur zwei Finger rauben!", sagt er gutmütig. "Gott segne sie!", spricht die Frau erleichtert und treu - und dann kauft sie noch zwei für den Sohn. Danach kaufen sie alle, nach der Reihe, mit wachsendem Elan. Sie kaufen auch noch den letzten Knallfrosch. Der Mann verlässt die Straße mit vollen Taschen und leerem Karren. Er wird wiederkommen, am Neujahrstag, um die Leute zu trösten und die Toten aufzulesen. Saturday, June 3. 2006Gartenarbeit
Es gibt Dinge, vor denen ich mich bislang erfolgreich gedrückt habe oder für deren Vollstreckung ich immer als zu unreif erachtet wurde. Eine von diesen Dingen ist die Gartenarbeit. Jahrelang saß ich in meinem stillen Kämmerlein und hörte das heimelnde Tosen des Rasenmähers draußen, sah Hacken und Harken durch die Scheibe, Sähen und Jäten. Nun eröffnete mir das Schicksal jedoch die Möglichkeit zur Habilitation; gar von mir selbst initiiert übernahm ich die Kontrolle über eine der letzten wilden Fluren des Oberbergischen, den Garten meines Vaters.
Heute treibt es mich zum dritten Mal auf die Wiese, die sich in einem sanften Kessel zur linken des Hauses den Hang hoch um ein kleines Bächelchen schmiegt. Gleich zuerst stelle ich fest, dass die provisorischen Grashaufen, die ich nach der Erstbesteigung, pardon, nach dem ersten Mähdurchlauf aufgehäuft hatte doch etwas frühzeitiger wieder hätten abgetragen werden sollen, jetzt hat sich der Schimmel breit gemacht. Die braune Tonne weist zum Glück keinen Inhalt auf, daher rolle ich sie zur Wiese hinauf, ziehe mir Handschuhe an, kehre die Haufen zusammen und werfe sie dann hinein. Als wäre es ein Bestandteil weit höherer Planung gewesen, ist sie am Ende bis zum Rand voll, dementsprechend mürrisch und behäbig trottet sie auch wieder hinter mir her, an ihren Platz unter dem Carport. In einem der Haufen habe ich auch gleich ein sonderbares Kuriosum entdeckt, eine Blindschleiche nämlich. Diese hier scheint recht jung zu sein, denn sie misst sicher nicht mehr als 15cm Länge. Behutsam nehme ich das artengefährdete Schlangentier [Anm.: es ist trotz der Form eine Echse] zwischen meine behandschuhten Finger und bringe sie dorthin, wo sie nicht in Konfrontation mit den rotierenden Messern des Mähers kommen kann. Überhaupt, während meiner Stunden auf der Wiese sehe ich die Natur um mich herum in einem anderen Licht als gewöhnlich. Plötzlich liebe ich all das Leben um mich herum; die Blumen, die Bienen, selbst große, langbeinige Spinnen, die daheim an der Wand nach dem Pantoffel schreien, hier mag ich sie gern. Sie gehören ja auch alle hierher, in diese Wiese, und ja, sobald ich die fressende Benzinmaschine auf Touren ziehe fühle ich mich schuldig, erbärmlich schuldig. Wie ein mordender Unhold knatter ich über das intakte Ökosystem, nehme Gänse-, Butterblumen und Löwenzähnen ihre Pracht, fahre über eine Schnecke, deren Innerstes nach außen quillt, störe Bienen bei ihrer Arbeit, indem ich Sträucher schubse und ihre Anlaufstellen wie beschrieben dezimiere. Wozu das alles? Welcher Ästhetik entspricht dieses barbarische Kleintrimmen? Irgendwie gewöhne ich mich daran, ergebe mich dem kulturellen Zwang, entschuldige mich aber trotzdem alle zwei Meter für meine Schandtaten. Und es geht sehr gemächlich voran. Die Wiese erkämpft sich ihr Recht schnell wieder zurück, noch dazu hat es die letzten Tage geregnet, wenige Quadratmeter fallen meinem Wüten zum Opfer. Der Nachbar, ein älterer Herr, gab mir vorher ein paar nützliche Tipps. "Halve Breite fahn!", sprach er, "Und schließ die Zünnkächzen aff, wennde da das Gras unnen raustust, wenn's verstopft is!". Da habe ich genickt und mich freundlich bedankt, schließlich mag ich meine Hände gern behalten und das nasse, hohe Gras zwingt mich alle paar Schritte dazu, den Motor auszumachen und es herauszuholen, aus dem "Kanal", wie der Nachbar das nennt. Schließlich kommt mein Vater und sagt mir, dass wir bald fahren, Mittagessen bei der Großmutter. Puh, dann kann ich das hier vorerst beenden, auch wenn mir mein Gewissen sagt, dass ich gar nicht erst hätte anfangen sollen und mein Verstand, dass ich wohl übermorgen wieder herkommen sollte. So ist denn die Gartenarbeit ein zweischneidiges Schwert, irgendwo zwischen amoralischem Eifer und verpflichtender Kontinuität - nebenbei auch eine recht lukrative Erwerbstätigkeit, aber das nur am Rande, versteht sich. Thursday, April 20. 2006Die Schilddrüse
Da sitze ich und warte. Gottseidank habe ich die Praxis auf Anhieb gefunden, gut, auf Umwegen, aber nun bin ich hier. Das Wartezimmer ist eher ein Warteflur, ich bin der jüngste, studiere den Focus, weil's keine bessere Zeitschrift gab, außer diesen Klatschblättern. Eine Weile vergeht, Menschen kommen und gehen, manche benehmen sich nach Routine, ich fühle mich wie immer unwohl.
Vor mir geht eine Tür auf, eine Frau sagt meinen Namen, da verlasse ich meinen Platz und folge ihr. "Nehmen Sie Platz", der Stuhl hat eine verdächte Armauflage an der linken Seite. "Ich hätte doch nicht nüchtern sein müssen?", "Nein, das ist O.K. - bitte ballen Sie die Hand zu einer Faust". Nachdem die Ampulle gefällt ist, werde ich nach draußen geschickt, nach unten, rechts, in ein anderes Wartezimmer. Ich irre herum, wie immer, und schließlich erbarmt sich eine freundliche Arzthelferin, zeigt mir den Weg, die Treppen runter. Dort sitze ich wieder und warte. Ich bin immer noch der jüngste, diesmal radikal, ich grüße artig und respektvoll. Mangels Alternativen greife ich zu einer Kochzeitschrift. Ich überfliege Namen, rustikale, fremdländische, Bilder, die alle in diesem abgeschmackten Weiß gehalten sind, Gerichte, die wie kunstvolle Stillleben, denn essbare Genüsse, erscheinen. Ein Rentnerpaar verabschiedet sich von Bekannten, in einem Dialekt, der mir kaum bekannt ist, Sauerländer Platt, wat man he opp de Dörfer spricht. Da geht wieder eine Tür auf, diesmal zur Rechten, mein Name fällt, ich lege die Zeitschrift beiseite und folge. Der Arzt ist klein, schmächtig und freundlich, auch er ist in diesem abgeschmackten Weiß gekleidet, aber das gehört ja zu seiner Zunft, und er soll meinen Appetit auch nicht anregen. Eine weitere Helferin deutet mir, mich hinzulegen; unangenehm ist es mir in der Horizontalen, der Arzt fragt nach meinen Beschwerden. Nachdem ich einige Symptome abgerufen habe, nickt er bedeutungsschwer, er hört das sicher öfter. Jetzt solle ich mir meinen Hals freimachen, den Kragen herunterziehen. Das Ultraschallgerät drückt auf meinen Kehlkopf, atmen kann ich gut, aber ein Würgereflex will aufkommen, ich unterdrücke ihn, unbehaglich. Ich blicke zur Seite, auf seine Konsole, kleine Schalter, kastenförmiger Monitor, wie ein Oszillator; grün-graue Schemen im Dunkel, das soll ich sein. Kurz bevor ich seine Hand wegstoßen möchte, lässt er locker, ich darf mich aufsetzen, wische das Gel von meinem Hals. "Ihre Schilddrüse weist keine Knoten auf, daher ist keine Operation vonnöten.", spricht er ruhig, wie von einem Tonband abgespielt, "Die Größe Ihrer Schilddrüse ist im oberen Grenzbereich, ob und wie wir medikamentös verfahren, wird Ihr Hausarzt entscheiden.", mit einem herzlichen Händedruck werde ich entlassen. Ich öffne die Tür, gehe nach draußen, schlucke einmal tief. Pillen, für den Rest meiner Tage, aber wenn es mir damit besser geht, ist es mir Recht. Wednesday, March 22. 2006Der Läufer
Der Frühling ist erwacht, einige verbliebene, vereiste Schneereste können dies nicht mehr verdecken. Überall stemmt sich die Saat des Lebens aus der Erde hervor: Schneeglöckchen läuten den Reigen ein, Krokusse folgen, selbst der Pfirsichbaum im Vorgarten knospt. Vögel singen ihre Lieder, sie konnte niemand in Panik bringen, vereinzelt sirren und brummen erste Insekten durch die klare Luft.
Ich verlasse das Haus, steige in mein Auto und fahre hinaus in den Wald, an meine alte Wirkungsstätte. Sobald ich den Wagen abstelle und die Tür hinter mir schließe, schließt sich gleichermaßen die Tür zu meinen Gedanken. Ich beginne zu funktionieren, frage mich nicht mehr wozu und warum, alles gleicht einem zielstrebigen Automatismus. Meine Beine bewegen sich gleichmäßig, ich rolle über die Fersen ab, die ersten paar hundert Meter, unter der Brücke hindurch und dann links in die schmale Straße durch den Wald, die mit dem Schild "Kein Winterdienst" versehen ist. Als ich spüre, dass sich meine Muskeln aufgewärmt haben, mache ich Halt und lockere sie. Es folgen Dehnübungen für Ober- und Unterschenkel, Oberkörper und Arme. Im Schatten hinter mir kreuzt ein Radfahrer. Keine Grüße; hier draußen gibt es nur das Selbst. Nun fühle ich mich freier, luftiger, ich setze meinen Lauf fort, rolle vorn ab um mich kräftiger abstoßen zu können. Mein Atem geht gleich, einatmen durch die Nase, doppelt solange ausatmen durch den Mund. Nach einer Weile geht der Zyklus schneller, Speichel sammelt sich in meinem Mund, ich spucke ihn weg; sonst spucke ich nie. An der kleinen Kuppe angekommen verlangsame ich meinen Lauf wieder und widme mich der Armbewegung. Wie ein Schwimmer paddle ich durch die Luft, den Berg hinab, fast als ob ich ein Blumenkind wär, das die sommerliche Wiese herunter eilt. Der Wald hat seinen Geruch noch nicht zurück, stelle ich fest, noch liegt vieles unter dem langsam zurückweichenden Frost begraben. Die Luft im Schatten ist rein aber kühl, meine Kehle beginnt zu schmerzen. Unten angekommen wende ich nach einem kleinen Auslauf. Als mein Blick auf den nun vor mir liegenden Anstieg fällt, übermannt mich der Ehrgeiz, ich verlagere meine Haltung erneut, den Oberkörper nach vorn, die Augen stur geradeaus und sprinte los. Jetzt schmerzt es erstmals im Brustkorb, die eisige Luft gleitet die Röhre hinunter in die Lungen, die Beine signalisieren nach wenigen Schritten, das sie nicht mehr können, doch die stummen neuronalen Schreie ersticken irgendwo auf dem Weg zum Gehirn. Ich will nicht aufgeben, nicht jetzt. Mein Atem geht immer schneller, die Waden werden hart, das Herz pocht, irgendwo hinten im Rachen schmecke ich Säure. Als ich mein Ziel erreicht habe, bin ich längst über die Schwellwerte hinaus und gehe einige Meter, die Hände in den Hüften, das Kreuz durchgestreckt. Ein Auto passiert mich, ich erhasche einen Blick auf den Fahrer aus dem Augenwinkel; er schaut mich ehrfürchtig an, so, als ob ich gerade einen Marathon hinter mir hätte. Ich gehe noch ein wenig über die Kuppe hinaus und trabe dann weiter, jetzt im Schongang; scheint so, als hätte der Frost auch mich noch nicht gänzlich verlassen. Die letzten hundert Meter, wieder zurück auf der Hauptstraße sprinte ich noch einmal, ehrgeizig, dem Ziel nahe. Meine Fußsohlen brennen, aber ich grinse; angekommen gehe ich noch ein paar Runden, lockere die Muskeln wieder, um Krämpfen vorzubeugen. Ich steige ins Auto, fahre nach hause, erst als ich das Haus betrete, bin ich wieder der, der es verlassen hat. Nicht ganz. Ein Teil ist erwacht. Sunday, July 31. 2005Hans Joss und der letzte Kreuzzug Pt.2: Ehe, eherne Ehe
s. dazu auch: "Tipps für die Ehe" von Hans Joss
Guten Tag werte Brüder, Schwestern und Heiden, mein Name ist Hans Joss. Ich habe, wenn ich mich recht entsinne, sechs Kinder, Mädchen, trage einen leicht verwitterten Almöhi-Bart um meine schweizerische Herkunft nicht zu leugnen (ich stutze ihn hin und wieder um nicht den Eindruck zu erwecken, der orthodoxen Glaubensweise anzugehören) und betätige mich in meiner allumfassenden Freizeit als nicht-arbeitnehmender und vom Staate subventionierter Großinquisitor und Teilzeitexorzist mit der Ausrottung des Heidentums. Hallelujah. Auf obengenanntem Link können Sie einmal nachschlagen, wie die Zusammenkunft von Mann und Frau im Rahmen der Ehe in der Bibel vorgeschrieben wird. Damit es ein bisschen einfacher ist, habe ich die einzelnen Regeln nach Geschlecht getrennt und tabellarisch gegenübergestellt. Der Hintergrund besteht aus einem geschmackvoll, der Haut des kaukasischen Übermenschen nachempfundenen, dezent gehaltenen beige. Die Rose und die, in einem seichten Rot-Ton gehaltene, Überschrift dienen dabei der Versinnbildlichung des Objekts, dessen Gegebenheit für die Errichtung dieses ewigen Bundes im optimalen Fall vorhanden sein sollte. Ich sage ihnen dies, weil meine Frau letztens dachte, ich wollte auf die weibliche Menstruation anspielen. Bitte... nicht doch. Ich möchte Sie, da es über die Fortdauer der Bereitstellung meiner Zwischennetz-Seiten (vulgo: Internet-Site) stä?ndig zu Kritik und absolutem Missverstehen kam, im weiteren Verlauf noch einmal genauestens auf die Fehlinterpretierbarkeit dieser Angaben hinweisen und ein für alle Mal jegliche Missverständnisse bei diesen ehernen Gesetzen vernichten! Amen! Erste tabellarische Zeile: Für die Frau gilt: 1. Das Haupt der Frau ist der Mann, genauso wie die Gemeinde Christus als ihr Haupt hat. Ich darf Sie bitten diesen Satz nicht förmlich zu verstehen. Der Kopf der Frau ist anatomisch gesehen nach wie vor ihr eigener. Zweite tabellarische Zeile: Für die Frau gilt: 2. Die Frau unterordnen sich ihrem Mann und gehorchen ihm in allem. Das klingt auf den ersten Blick etwas seltsam, weil ich für "die Frau" einen Plural bei "unterordnen" und "gehorchen" gebrauche. Ich meine in diesem Fall selbstverständlich "die Frau" als die Frau in ihrer Ganzheit, in der Summe ihrer Teile. Nicht etwa meine ich, dass die, im Alten Testament noch gebräuchliche, Vielweiberei hier durch schlechtes Zitieren meinerseits einen Einzug gefunden hätte. Nein, nein. Ganz sicher nicht. Frohlocket! Für den Mann gilt: 2. Der Mann liebe seine Frau und gebe sich selbst für sie hin. Dass wir, durch den Phallus gesegnete, Männer an dieser Stelle auch erstmals berappt werden, sollte hier nicht negativ ins Gewicht fallen. Dieser Satz ist auch bitte keinesfalls als Aufforderung zum Suizid zu verstehen. Ein Zeichen von Liebe und Hingabe ist es zum Beispiel, wenn der Mann seine Frau bei ihrer Arbeit unterstützt und den nicht-ökologisch-wiederverwertbaren Abfall in das dafür vorgesehene Behältnis vor der Haustüre trägt. Dritte tabellarische Zeile: Für die Frau gilt: 3. Die Frau fürchte ihren Mann. Diese Zeile wird von den Frauen zumeist missverstanden. Meine eigene Frau fragte mich einmal ob sie denn Angst vor mir haben müsste. Das fromme Funkeln in meinen Augen verriet ihr jedoch ohne jede Worte, dass sie dies nicht haben müsse. Sogleich verschwand sie dann auch wieder mit einem nervösen und aufgesetzten Grinsen in der Küche. Gott sei mit Dir, Frau! Für den Mann gilt: 3. Der Mann ehre seine Frau und sei nicht bitter gegen sie. Dies soll bitte nicht heißen, dass wenn dem Mann einmal aus Unachtsamkeit die Hand entgleist, der Herr ob seiner Taten gleich erzürnt wäre. Nein! Der Duellant zückt schließlich auch vor einem ehrenhaften Wettstreit den Handschuh und streift damit die Wange seines Gegenübers. Vierte tabellarische Zeile: Für die Frau gilt: 4. Die Frau belehre ihren Mann nicht. Sie soll ihn fragen und sich von ihm belehren lassen. Vor dem letzten Osterfest wollte ich zum Karfreitagsgedenken an Jesu den Fisch selbst zubereiten. Meine Frau wollte mir erklären, wie dies denn ginge. Ich verwies sie auf diese Zeilen. Nachdem sie verstanden hatte, fragte sie mich, ob ich denn überhaupt wüsste, was ich da gerade täte. Ich erklärte ihr daraufhin in vollkommener Gelassenheit, dass ich das Gas unserer Herdplatte nur deshalb höher gedreht hätte, weil ich den Fisch in den züngelnden Flammen des (Fege-)Feuers mit seiner eigenen Reinheit konfrontieren wollte, damit wir ihn nachher guten Gewissens essen könnten. Dass ich dabei selbst Feuer gefangen hätte, wäre ein durchaus gewollter Nebeneffekt. Nach dieser Belehrung verschwand ich für einen kurzen Moment im Badezimmer. Jauchzet! Für den Mann gilt: 4. Der Mann ist für das Verhalten seiner Frau verantwortlich. Er wird Beurteilt nach Ihrem Verhalten. Das heißt ganz klipp und klar - beim heiligen Josef! -: Der Ehebund ist nur so gut, wie sein schwächstes Glied: Die Frau. Vermieden werden kann das böse Erwachen, indem der Mann seiner Frau einen zusätzlichen Fernseher samt Sat-Receiver (um Bibel TV empfangen zu können) schenkt, damit sie das Haus seltener verlässt. Als letzte Konsequenz empfehle ich Schlosswechsel und/oder Ausgangskontrollen (zum einkaufen). Fünftes - und letztes - tabellarisches Feld: Für die Frau gilt: 5. Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib. Die Frau verfügt über den Leib ihres Mannes. Sie entziehe sich ihm nicht und erfülle ihre Pflicht. Auch diese Passage (beim Manne ähnlich und daher wie oben nicht zitiert) soll anatomisch nicht missverstanden werden. Die Ehe bildet keine Chimären! Im Übrigen: Ich sehe an dieser Stelle nirgendwo die vielzitierte "Migräne" wieder. Anscheinend sollte ich meine Frau in dieser Hinsicht einmal belehren. Schließlich sollte sie ihre Pflicht erfüllen, wie ich auch. Das Leben ist hart, aber da die Heiden in Asien und Afrika so viele Kinder in die Welt setzen, müssen wir treue Christen ja Einhalt gebieten. Höret das Wort des Herrn! Ich hoffe ich konnte hier noch einmal Klarheit schaffen und zitiere mich schlussendlich selbst: "Genau auf dieselbe Art, wie Gott, der Allmächtige, über die Menschen herrscht, so soll der Mann über seine Frau herrschen. Auf dieselbe freiheitliche, zurückhaltende, nicht zwingende, sondern bloss offenbarende Art." Eben: Alles kann, nichts muss... und morgen ist auch noch ein Tag. Ich werde mich nun zurückziehen um meiner Frau zu offenbaren, dass es mein Wille ist, jetzt zu speisen. Ihr bleibt es vollkommen frei, ob sie nun gehorcht oder nicht. Aber das fromme Funkeln in meinen Augen wird ihr den Weg weisen. Guten Abend liebe Brüder, Schwestern und Heiden. Ihr Hans Joss
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