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Tuesday, September 18. 2007
 Animal Farm gehört sicher zu den Büchern, die in vielen Listen als Klassiker auftauchen. Das mag besonders an dem Umstand liegen, dass es zu einem kritischen Zeitpunkt herauskam - gegen Ende des Krieges, als sich die Westmächte mit Stalin an einen Tisch setzten, um ein bisschen über die Aufteilung der Welt bei Kaffee und Kuchen zu plaudern und die UdSSR als unverzichtbarer Verbündeter galten, den man nicht zu kritisieren hatte.
Animal Farm verläuft strikt analog zu irdischen Geschehnissen, leider. Ja! Ich bewundere den Leser, der sich, vollkommen uneingenommen an dieses Werk machen kann, ohne das Hintergrundwissen. Dann ist Animal Farm eine gut geschriebene, auf den Punkt gebrachte, Fabel über Gier nach Macht und Reichtum, über Propaganda und ihre Folgen, über das Wesen der Untertanen, usw..
Mir dagegen drängt sich ständig der Vergleich auf: Snowball ist Trotzki, Napoleon ist Stalin, die anderen Farmen symbolisieren die Nazis, bzw. den Westen (UK, USA). Von der Vertreibung Trotzkis bis hin zur mörderischen Hybris Stalins und der "abschließenden" Potsdamer Konferenz (es könnte auch die von Jalta gemeint sein) sind viele nennenswerten Daten enthalten. Dieses ständige Vergleichen stimmt mich ein bisschen unzufrieden, auch wenn Orwell die historische Vorlage gut umsetzt.
Dass man sich im Westen mit solch einer Freude über das Buch hergemacht hat, verwundert mich ein bisschen. Es ist dezidiert anti-stalinistisch, ja, aber kein bisschen anti-kommunistisch - im Gegenteil, Trotzkis Pendant Snowball erscheint dem Leser wie ein Held, der die Tiere aus ihrer Unmündigkeit befreien möchte und bemüht ist, jedem Tier eine Stimme zu geben. Es wird Orwell gegrämt haben, dass diese, den Sozialismus bejahende, Seite der Fabel so unter den Teppich gekehrt wurde.
Achja, Klassiker, ja, nein? Doch, doch, Klassiker! Kurz, auf den Punkt gebracht, sprachlich wertvoll. Wer die Zeigefinger-Mentalität Orwells, die auch in 1984 omnipräsent ist, nicht mag, der wird wohl kein Freund der Fabel werden. Aber, was soll's: some authors are more equal than others.
Friday, September 14. 2007
Hier einmal ein "Restfetzen" eines zu Beginn dieses Jahres angefangenen Artikels (der eigentlich ein Folgeartikel zu meinem Eintrag über das erste LotR-Buch sein sollte) - ein bisschen überarbeitet und ausgebaut:
 Da sprach ich doch gerade über Zähe Bücherbissen, die am Lesegaumen hängen bleiben. Nun, dieser hier erwies sich in diesem Bezug als süffiger Wein.
Die ersten Seiten las ich nachmittags, den Rest in der Nacht, buchstäblich! Von 0:00 bis 6:00 las ich fast 400 Seiten, durstig und gespannt. Es war so, als sei ein Knoten geplatzt, der sich mit "The Fellowship of the Ring" aufgebaut hatte. Plötzlich war sie wieder da, die Lesewut.
Maarten 't Hart ist ein guter Autor. Er weiß, wie er die losen Episoden aus den Erinnerungen des Ich-Erzählers immer wieder mit Spoilern und Rätseln verknüpfen kann. Es kommt zu einem Lianeneffekt. Ich schwinge von vorn nach hinten durchs Buch, möchte nicht ablegen, möchte am Ende sein, wo sich alles klärt - oder ich doch wieder am Anfang stehe?
Eigentlich ist es gar nicht so sehr der Plot, der das Buch spannend macht. Die Rätselfrage um Alexanders Herkunft hatte ich schnell gelöst, genauer genommen drängt 't Hart sie einem durch sein Indizienspiel auch auf. Aber das ist ok, viel liebreizender ist dieses Geflecht von unterschiedlichen Persönlichkeiten, dieses Netzwerk, das durch das Buch hindurch immer dichter wird. Angefangen von konservativ-christlichen Fischern über pietistische, geizige Lumpenhändler, pädophile Dorfpolizisten und Jungen, die gern Frauenkleider anprobieren, bis hin zu aufgetakelten Uni-Assistentinnen.
't Hart liebt die Betrachtung von Menschen - aus einer menschlichen Sichtweise. Sein zurückgezogener, eigenbrödlerischer Protagonist Alexander, der sicher auch Ähnlichkeit mit dem Autor selbst hat, hilft ihm bei dieser Betrachtung. Nie ganz objektiv, aber immer fein beobachtend und Eigenheiten hervorhebend. Das macht diesen Roman - und auch einige seiner weiteren Romane (Anm. 09/07: mittlerweile habe ich drei weitere gelesen) - mitunter so lesenswert.
Friday, September 7. 2007
Ich freute mich darauf, so war's. Tatsächlich habe ich dieses Buch Mitte Juni innerhalb von drei, vier Tagen gelesen - und gefallen hat's mir auch. Ein großartiger Schlachtenerzähler war Tolkien wohl nicht und irgendwie konnte ich dieses Gefühl nie ganz los werden, dass ganz Mittelerde so trostlos und unecht ist, andere haben mich dafür schon reichlich gescholten.
Überraschend für mich war der letzte Teil gegen Ende des letzten Buches, in dem die vier Hobbits in die Shire zurückkehren und dort für Recht und Ordnung sorgen. Da wird deutlich, dass diese Charaktere eine Entwicklung durchgemacht haben - von unbeschwert und naiv zu ernsthaft und verantwortungsbewusst.
Bin ich jetzt ein Fan? Ich denke nicht. Die Bücher haben mir Freude bereit, auch wenn ich das anfangs nicht gedacht hätte. Vielleicht werde ich sie irgendwann noch einmal lesen - dann einen leichteren Einstieg haben - und vielleicht werden sie mir danach noch besser gefallen. Wer weiß? Bis dahin halte ich mich jedenfalls fern von allzu toller Lobhudelei.
Tuesday, September 4. 2007
Das Lesefieber hat mich gepackt. Das ist deshalb eine erstaunliche Tatsache, als dass ich mir erst jetzt darüber im Klaren bin. Mitte Juni war es, dass ich anfing, Bücher in mich aufzusaugen. Selbst vor populären Bestsellern machte ich keinen Halt. Wie dieses Buch beweist.
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es ein Bestseller war; lediglich die Tatsache, dass es sich im Bücherregal meiner Mutter befand, ließ es mich annehmen. Wahrscheinlich hätte ich gar nicht zugegriffen, wenn der Name des Autors mich nicht neugierig gemacht hätte. Was der - zumindest phonetisch - Verwandte da wohl geschrieben hat?
Kastner ist ein gründlicher Autor - "gründlich" bezieht sich hier auf seine Recherchen. Das Szenario seines Romans ist spannend gewählt: die Hauptstadt der Handelsmacht der Niederlande im siebzehnten Jahrhundert, selbst sein aus heutiger Sicht wohl berühmtester Bewohner - Rembrandt - findet sich in der Geschichte wieder. Kastner rekonstruiert die Atmosphäre der Stadt und die Umstände ihrer Bewohner überzeugend, einige Details zu seinen Recherchen verrät er im Nachwort.
Auch die Geschichte ist brillant, lässt mich gleich zu Anfang in dieser Welt aus Handel, Intrigen und (reformiertem) Christentum versinken. Der junge Maler Cornelis erzählt aus der Ich-Perspektive (es handelt sich um seine Memoiren) über die seltsamen und grauenhaften Morde, bei denen immer ein gewisses Bild zugegen war und für das er sich zu interessieren begann - bis er schließlich in einen Strudel von Intrigen gerät, die mich als Leser verwirren und gebannt auf die Auflösung warten lassen.
Aber! Ach! Die erfolgt schon nach zwei Dritteln des Buches. Und zwar so schnell und abrupt, dass es mich kopfschüttelnd zurücklässt. Selbst die kleinsten Geheimnisse werden allzu hastig zu einem Ganzen gewoben. Warum verspielt Kastner die ganze, mühsam aufgebaute und genährte Spannung mit einem Male? Das restliche Drittel des Buches gleicht einer Schnitzeljagd, bei welcher der Ausgang und der Weg längst feststehen. Nichts mehr da, keine Spannung, keine Rätsel, kein Hauch Mystik. Selbst das Rätsel um das "Todesbild" und der sonderbaren Farbe Blau wird mir viel zu plump erklärt.
Ich wünschte, Kastner hätte dieses wichtige Ende seines Buches überzeugender und nicht so abrupt mit langatmigem Folgeteil gestaltet. Ja, ich würde fast empfehlen, das Buch an der Stelle beiseite zu legen, an der Cornelis das alte Atelier seines ehemaligen Auftraggebers aufsucht. Bis dahin ist es ein packender Thriller mit authentischem Szenario. Schade, wirklich schade, dass es so enttäuschend schließt.
Monday, June 11. 2007
Hat es mich schon eine Weile gebraucht, den ersten Teil von Tolkiens Epos zu lesen, so scheint es, dass ich für das zweite Buch noch weitaus länger gebraucht hätte. Dem ist aber gar nicht so. Ich hatte nach Buch 3 ["The Two Towers" besteht aus zwei Teilen] nur mit den Abi-Vorbereitungen zu tun, demnach allerhand Literatur aus dem Unterricht wiederholt und danach das exzellente "Weymouth Sands" von John Cowper Powys (warum hab ich dazu eigentlich nicht gebloggt?) gelesen, bevor ich mich an den zweiten Teil heranwagte.
Meine Vorbehalte gegenüber "The Fellowship Of The Ring" hatten sich ja eigentlich schon gegen Ende des Buches aufgelöst. "The Two Towers" - wobei ich immer von den falschen Türmen ausgegangen bin. Ich dachte, damit wären der Orthanc (Sitz Sarumans) und Barad-dûr (Sitz Saurons) gemeint. Denkste! Das sollen stattdessen wohl Minas Tirith und Minas Morgul sein - las sich flüssig, hatte eine kohärente Handlung ohne merkwürdige Unterbrechungen und bot exzellente Unterhaltung.
Die Trennung der beiden Handlungsstränge finde ich dabei besser, als Trennungen von Kapitel zu Kapitel. So wird der Fokus auf die jeweiligen Protagonisten gesetzt, anstatt einen nicht vorhandenen Zusammenhang zwischen beiden Handlungssträngen vorzugaukeln.
Überrascht hat mich die Intensivität des Sam-und-Frodo-Teils. Während ich diese Stellen in den Filmen (mehr und mehr wird mir bewusst, dass sich Vergleiche eigentlich erübrigen) am liebsten, ob der ewig gleichen Weinerei der Hobbits, vorgespult hätte, zeigte sich dieser Teil im Buch als spannend und hochdramatisch - wenn auch die Verbindung zwischen Gollum und Shelob ein bisschen arg an den Haaren herbeigezogen erscheint.
Wie dem auch sei, das dritte (publizierte) Buch steht nun auf der Liste, und, auch wenn ich mich wahrscheinlich vorher ein paar anderen Büchern widmen werde und den Ausgang ja eigentlich schon grob kenne, ich freu mich drauf.
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