Monday, December 31. 2007Echofields - 817 (days)
Echofields ist das Projekt des Bayreuther Multiinstrumentalisten Andreas Hack und der Sängerin Katja Hübner, die auf "817 (days)" von weiteren Musikern begleitet werden. Ziel des Projekts ist es, in einem von Plagiaten wimmelnden Markt neue Wege zu gehen.
"817 (days)" - das ist übrigens die Anzahl der Tage, an denen für das Album gearbeitet wurde - bietet melodischen Edelpop, der sich wohltuend vom ideenlosen Einerlei der meisten erfolgreichen Produzenten und Gruppen abhebt. Kein Gramm Kitsch, kein aufgeplusterter Bombast, bei Echofields zählen die Komposition und die Verschiedenartigkeit der Arrangements, nicht das Auf- und Umarbeiten bekannter Versatzstücke. Vortrefflich zeigt dies der Opener: feinfühlig wird ein fernöstlich anmutendes, von Ethnorhythmik unterstütztes Klanggewebe gesponnen, in das sich Hübner mal träumerisch frei, mal melancholisch einbringt und so eine Stimmung erzeugt, die perfekt für den Vorspann der Animeserie "Lain" gedacht wäre; daran muss ich unweigerlich denken, jedes Mal, wenn ich das Stück höre. Oder auch "Gone", das den Discosound der End-70er mit pumpendem Bass und treibenden Streichern perfekt imitiert - inklusive einer Gaynor-esken Hübner als Discodiva. Der Schatztruhencharakter des Albums macht es mir so sympathisch - und die 52 Minuten vergehen wie im Fluge. Da darf geschwelgt, frohlockt und geweint werden; jedes Stück formt seinen eigenen immanenten Mikrokosmos, der die Freude zum Detail und die viele Arbeit, die in das Projekt geflossen ist, widerspiegelt. Bleibt noch Kritik über? Sicher, hier und da finden sich schon die erwähnten "bekannten Versatzstücke", was eigentlich kaum ausbleiben kann. Das ändert aber nichts an der Qualität und der Sorgfalt, mit dem diese als Reminiszenzen fungieren. "817 (days)" bietet eine Bestandsaufnahme dessen, was sich in der Popmusik seit Mitte der 70er getan hat und das eben verquirlt, entkernt, aromatisiert und mit Austern als Hauptgang serviert. Meine Empfehlung! Über die MySpace-Seite der Gruppe ist das Album zu erhalten Monday, April 30. 2007Meanwhile...
Quite a few things have happened since the last time I wrote here, but let's not trouble ourselves with those right now, they are the business of paper and pens.
Meanwhile, Porcupine Tree have follewed on from songs like Shallow and Sever, and written an album about Weymouth (I'm even sure I recognise some of the people in he insert...) At first I thought there weren't many catchy tunes, but on hearing it a few more times I noticed that there are, which is always good. Music for the sarcastic and criminally disenchanted. I'm still suffering from headaches, a bit like the fictional Pontious Pilate, which reminds me of the book I finished- The Master and Margarita. It was mainly concerned with Love and the Devil, two characters that hold a special place in my heart. The Devil [named Woland] was one of utter chaos and confusion, and Love was the love of an author, I like those things too. Although I don't know a lot about communist Russia [which I assume the book was some kind of parody of] it was still so funny in an ironic kind of way, and I'm sure a lot of emo chicks would be proud of the "random craziness". Anyway, it's too hot to stay here, bye. Friday, December 23. 2005Adventskalender, Tor 18: Desvelos - So Hard To Touch The Sky (Full Cold Moon Version)
[progrock-dt]Adventskalender
Tor 18: Desvelos - So Hard To Touch The Sky (Full Cold Moon Version) Lang, lang ist's her, da begab es sich, dass für den 18. Dezember des Jahres 2005 n. Chr. ein Lied in einem Kalender veröffentlicht wurde, das sich "So Hard To Touch The Sky" nannte und über das ein neutraler (*hust*) Kritiker (*noch mehr hust*) berichterstatten wollte. Das tat er dann 5 Tage später. Das kölsch-hannoveranische Trio, bestehend aus seiner großwesirlichen Listen-Hoheit Sal Pichireddu und der Gruppe Cinnamonia, welche sich wiederum aus Thomas Köhler und Sandra Barclay (sollte Verwirrung entstehen: sie hieß früher Werner) (nein - nicht Werner Barclay, argh) zusammensetzt. Desvelos bedeutet in etwa "aufgedeckte Geheimnisse" und stammt aus dem Sardischen. Desvelos ist auch der Titel unter dem Sal von 1997-99 15 Gedichte vereinte, die, unterteilt nach den vier alten Elementen (Feuer, Wasser, Erde, Luft), stark von Selbstfindung und -erkenntnis geprägt sind. 'So Hard To Touch The Sky' ist das abschließende Credo dieses Werkes, umgeben von Restzweifeln und dem Wissen, dass der Glaube an sich selbst, alles erreichen zu können, dünn und brüchig ist, ist es doch die Sicherheit und Zuversicht, die zwischen den Zeilen hervorsticht. Das ist auch dem Stück zu entnehmen. Zu den Ambient-Klängen Köhlers, der äußerst feinfühlig und wohlbedacht auf verschiedene Klangfarben zurückgreift, dabei aber nie in peinliche oder kitschige Gefilde abdriftet, haucht Sal seine Worte träumerisch und gefühlvoll in das Mikro, begleitet von der elfengleichen Stimme Barclays. Diese "Full Cold Moon Version" ist dem 2004 verstorbenen Sänger der Band Coil, Johnn Balance, gewidmet und befindet sich ebenfalls auf dem Tribute-Sampler "Full Cold Moon", der noch bis Ende des Jahres zum freien Download bereit steht. Da die Arbeiten am Desvelos-Album dieses Jahr abgeschlossen worden sind, können wir 2006 auf das Erscheinen hoffen. Alle, die diesen Prozess beschleunigen wollen, melden sich direkt bei Sal und/oder treten der neuen Yahoo-Group von Desvelos bzw. Cinnamonia bei. Dort wird es auch immer aktuelle Informationen rund um die beiden Formationen geben, also ist fleißiges Beitreten erwünscht. Friday, October 28. 2005ICCMS - In Stereo
s. dazu: Die englischsprachige Homepage der ICCMS
ICCMS steht für Imperial College Contemporary Music Society. So eine Abkürzung macht, wie die Musiker und Studenten auf ihrer Homepage zu verstehen geben, nicht nur cool und sexy, es lässt sie auch anspruchsvoller erscheinen. Das klänge ein wenig frech, gar hochtrabend, berücksichtigte man nicht das humorvolle Augenzwinkern dahinter. Dieser Humor entstammt den unergründlichen Gedanken von Ralf Damaschke, seines Zeichens Gestalter der Babyblauen Seiten, ehemaliger Webmaster der [progrock-dt] und federführende Kraft eben jener ICCMS. Stationiert ist der erst 20jährige Kosmopolit mittlerweile - nach Aufenthalten in Schweden, im sachsen-anhältischen Hinterland und Hagen - in London, wo er zusammen mit den anderen Musikern Andreas Liapis, Simon Hamlin, Ben Osborne, Sapna Nudlanoll und Aristides Lafkas am namensgebenden Imperial College studiert. Contemporary Music, das bedeutet sinngemäß zeitgenössische Musik. Das klingt ja gut, aber wie ist zeitgenössische Musik zu definieren? Vielleicht werfen wir einen kleinen Blick zurück (geben Sie mir einen Absatz Zeit, ich muss meine imaginäre Lesebrille aufsetzen). Die ICCMS wurde 2001 von ein paar handverlesenen Studenten gegrÃ?ndet. Im Gegensatz zu weiteren Clubs wie der Jazz & Rock Society wurde hier jedoch der Versuch gestartet, alle Genres abseits des "Normalen" abzudecken und Musik aus der Laune heraus zu spielen. Dabei entstand ein Mix aus Klassik, Jazz und Rock, der in die WorthÃ?lsen Contemporary Music gekleidet wurde. Gegen Ende 2004 kam dieses Projekt mangels Interesse und Abgängen einzelner Mitglieder jedoch fast zum erliegen und so wurde die Verantwortung an zwei Musiker übertragen, die zwar keine Ahnung von organisatorischen Belangen aber dafür die Lust und die Spielfreude hatten weiterzumachen: Ralf Damaschke und Simon Hamlin. Soviel zur Vorgeschichte, zurück zur Gegenwart und, ja, vielleicht auch endlich zu den musikalischen Aspekten, schließlich wollen wir nicht in Geschichtsbüchern sondern in Booklets blättern. Die vorliegenden kostenlosen Musikstücke sind ein, auf Albumlänge zusammengefasstes, Zeugnis der umtriebigen Tätigkeiten der aktuellen Musiker innerhalb des Sommersemesters 2005. Dabei gibt es nicht nur Jam-Sessions mit variabler Beteiligung aus dem Proberaum zu hören sondern auch ein komplettes Konzert, welches die Truppe zu fünft (und mit dem Schlagzeug der Jazz & Rock Society) bestritt. Eingeleitet wird der künstlerische Reigen durch 'Dance Of The Weirdos' und Stimmengewirr. Zwei Klaviere mischen sich ein, dann kommt ein Saxophon hinzu, Füße stampfen auf, plötzlich befinden wir uns mitten in einer freien Improvisation. Fast ausschließlich alles, was uns die zeitgenössischen Musiker auf "In Stereo" bieten ist nämlich improvisiert und so bekommen wir auch gleich einen guten Eindruck von dem, was uns im Verlauf des Albums erwartet. Dabei mag der Tanz der Spinner auf den ersten Blick reichlich wirr und konfus erscheinen, aber von Freejazz ist dies weit entfernt. Die Instrumente stellen schnell eine Verbindung zueinander her, das Klavier gibt Themen vor, die vom Saxophon aufgenommen und verarbeitet werden, bis das Klavier den Rhythmus übernimmt und ein zweites Saxophon wie das Klavier im ersten Teil verfährt. Klingt kompliziert, ist auch so, kommt aber total ungezwungen und locker daher und lässt mich gespannt sein auf den Rest, der da noch kommen mag. 'Except Us Two' ist im Vergleich eher spärlich instrumentiert. Als die anderen Musiker zu spät erschienen, griffen Damaschke und Osborne spontan zu ihren Instrumenten und stellten das Aufnahmegerät an. Dabei entwickelte sich ein mehr als 20minütiges Stück, dass im nachhinein auf 16 Minuten gekürzt wurde. Bereits die ersten Töne reißen mich mit, erinnern mich an ein Improvisationsgenie wie Keith Jarrett, entwickeln eine langsame, getragene Harmonie zwischen Klavier und Saxophon, sehr sanft und warm, die im Verlauf von perkussiven Elementen leicht gestört wird, fragil zusammenschrumpft, sich dann aber noch einmal ausweitet, bis Osborne damit anfängt, eine Zeitung im Takt zu zerreißen. Genial! Für mich ist es das vorgeschobene Highlight des Albums. Weiter geht es mit 'Journey', das einen ähnlichen Ansatz wie das einleitende 'Dance Of The Weirdos' verfolgt, allerdings nicht vollständig improvisiert ist sondern einigen Vorgaben unterliegt. Es bietet erstmals den Einsatz von echten Percussions und ein wildes, rauhes Tenor-Saxophon mitsamt kurzem Solo gegen Ende. 'The Shag Pile' - der langflorige Flauschteppich [sic!] serviert gleich ein weiteres Novum: Die elektrische Gitarre, die sich zu Anfang allein frickelnd austoben kann, dann aber zusammen mit Piano und Saxophon harmoniert. Das Konzert im dB's, einem uni-internen Veranstaltungsraum, zeigt dann, dass sich das Ensemble auch nicht vor Publikum scheut, munter zu improvisieren. Im Fall von 'Sonic Landscape' geschieht das laut Booklet so: Das Ertönen von zwei Becken sollte das Stück einleiten und beenden, es sollte über keinen stetigen Rhythmus verfügen, dabei Klangflächen aufeinanderschichten und gegen Ende in Lärm kulminieren, den Rest überließ man der gegenwärtigen Laune und Kreativität. Herausgekommen ist dabei ein äußerst sphärisches, abgedrehtes Stück, dass an jeder Ecke scheppert und klingelt und das gegen Ende nur langsam zur Ruhe findet, bevor alles scheinbar aus den Fugen gerät. Der Einsatz des Schlagzeuges ist hier eher verhalten aber durchaus positiv, da melodiös und dezent. 'Tutti' verwirrt dagegen völlig, wenn man den nötigen Blick ins Booklet vorher nicht geworfen hat. Das Stück besteht aus kunstvoller Stille. Stille? Nicht wirklich, hören Sie mal genau hin. Hier und da ein Ton, ein Knacken. Vollkommene Stille? Unmöglich. Alles ist Musik, sagte John Cage, in Anlehnung an dessen Stück '4'33' 'Tutti' entstand. 'Chaos, Part Three' ist eine Hommage an die Fusionrocker von Area, macht seinem Namen alle Ehre und wartet wieder mit elektrischer Gitarre auf. Das Schlagzeug funktioniert hier zeitweilen auch einmal als Rhythmuselement. Im Vordergrund stand für jeden Musiker die Vertonung sechs verschiedener Wörter wie Liebe, Krieg und Ente (raten Sie mal, welches Instrument am Besten eine Ente vertont). Jeder hatte dabei ein anderes Wort vorliegen, welches er, ohne auf die anderen zu achten, zu vertonen versuchte. Spannender hätte ich es noch gefunden, wenn alle Motive im Booklet festgehalten worden wären, damit ich raten kann, welcher Teil nun welcher ist. Sei's drum, jedenfalls wird auch ordentlich abgerockt, inklusive Schrei. (Anmerkung: Ralf konnte sich nachträglich noch an die Wörter Geburt, sexuelle Lust, Angst, Meditation, Aggression, Spiritualität, Lächerlichkeit und Kuh erinnern) Seinen gelungenen Abschluss findet das Album mit 'Snow'. Mit wenigen Tönen wird die beklemmende, kalte Szenerie erzeugt, zu der Damaschke einen langgezogenen, traurigen Gesang beisteuert. Traurig hinterlässt mich "In Stereo" jedenfalls nicht. Schön werden über das ganze Album hinweg verschiedene Stimmungen erzeugt, bearbeitet, variiert. Die Tatsache, dass es wie oben bereits gesagt fast komplett improvisiert ist, imponiert mir ungemein und es macht auch gleichzeitig den Reiz aus. Es ist nicht perfekt, nicht ins letzte Detail ausgeklügelt und doch sehr intelligent dargebracht. Bleibt zu hoffen, dass wir noch viele weitere Aufnahmen der (Wahl-)Londoner bekommen, ehe sie ihr Studium abschließen werden. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Das Album ist kostenlos, inklusive hübschem Artwork direkt auf der Seite erhältlich und verfügt über einen richtig guten Sound (abgesehen von ein paar Kratzern). Daher: Zugreifen!
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