Die letzten Wochen schaue ich mir sonntags gerne das Nachtprogramm der ersten beiden Programme an.
ttt und
Druckfrisch in der ARD und das
Nachtstudio im ZDF. Das letzte Thema des Nachtstudios brachte meine übermüdeten Gehirnzellen noch einmal in Schwung: "Die Heimat - Hölle oder Himmelreich?" brachte mich zurück zu einem lang gesponnenen Faden, denn eine Frage beschäftigt mich immer wieder: Was ist Heimat? Wie ist Heimat? Wodurch kommt Heimat zustande?
Für mich ist Heimat kein regionaler, sondern ein lokal gebundener Begriff. Das Oberbergische habe ich nie als meine Heimat empfunden, einfach deshalb, weil meine Familie in anderen Ecken Deutschlands (oder des heutigen Polens) verwurzelt ist und gerade der "oberbergische Anteil" früh verstarb. Ich unterscheide daher zwischen der regionalen Heimat, einem tradierten Heimatsgefühl, das Eltern und Großeltern vermitteln und einem lokal gebundenen Heimatsgefühl, dass sich auf die vier Wände des Elternhauses beschränkt, das für Sicherheit und Geborgenheit steht.
Wenn wir im allgemeinen von dem Begriff "Heimat" sprechen, dann meinen wir das regionale Heimatsgefühl und dem stehe ich ambivalent gegenüber, so, wie es auch der Schriftsteller Michael Lentz im Nachtstudio tat. Auf der einen Seite schätze ich die, die daheim geblieben sind, heimlich herab, doch auf der anderen Seite beneide ich sie für ihr Zugehörigkeitsgefühl, das ich mir oft in meiner Rastlosigkeit wünschte. Und da ich jetzt so in der Welt herumgondele, unterbreche ich auch diese Kette, die dafür gesorgt hätte, das ein gewisses tradiertes Heimatsgefühl entstanden wäre. Aber wer weiß, vielleicht ruft mich das Oberbergische irgendwann doch wieder?