
Als der Filmproduzent George Weiss von der ersten Geschlechtsumwandlung erfuhr und den jungen Filmemacher Edward D. Wood, jr. damit beauftragte, einen Horrorstreifen über jene zu drehen, die sich fremd im eigenen Körper fühlten, hatte er sicher mit einem
ganz anderen Resultat gerechnet. Wood liebte zwar das Absurde, doch diese Thematik war ihm sehr ernst. Ernst deshalb, weil Wood selbst Transvestit war. Später bezeichnete er "Glen or Glenda" als
seine Geschichte. Logisch, dass er die Hauptrolle verkörperte und in seinen geliebten Angora-Pulli schlüpfte, um Glenda zu mimen, das zweite ich von Glen, der gerne Barbara heiraten möchte, sich aber nicht traut, ihr von seinem zweiten Ich zu erzählen.
Dies ist aber nur eine der Erzählebenen. Der Film besitzt mehrere davon, die manchmal verwirrend ineinander greifen. Die erste Ebene wird von dem alternden Bela Lugosi besetzt, der in einem Kämmerlein den Philosophasten mimt und in abgedroschenen Phrasen Allgemeinheiten über die Menschheit preisgibt ("Manchmal ist das falsch, das richtig scheint und das richtig, das falsch scheint"). Auf der zweiten Ebene untersucht ein Inspektor den Selbstmord eines Transvestiten (oder Hermaphroditen? Das weiß ich nun nicht mehr ganz) und informiert sich bei einem Psychater über das Phänomen. Auf der dritten Ebene spielen sich dann zwei Handlungsstränge ab: die Geschichte von Glen und Glenda, eines Transvestiten und die von Alan und Ann, eines Hermaphroditen. Diese werden von dem Psychater kommentiert. Wahlweise lässt sich das surreale Traumgeschehen in Glen/Glendas Ebene noch als vierte Unterebene bezeichnen, die wiederum mit der ersten kommuniziert.
Man sieht: es ist verwirrend. Nie wird wirklich klar, welche Intention Wood genau verfolgt. Einerseits möchte er eine gründliche Dokumentation über die Probleme und die Unterschiede zwischen Hermaphroditen, Transvestiten und auch Homosexuellen abliefern und den Betrachter für diese Themen sensibilisieren - andererseits möchte er einen intelligenten, avantgardistischen Film zeigen, der tiefere Komplexität durch seine Erzählschichten und surreale Einwürfe bietet.
Diese - ich denke einmalige - "Avantdoku" kränkelt dann allerdings doch an den vielen Ambitionen Woods. Bela Lugosi ist in diesem Film eigentlich vollkommen unnötig. Ich nehme an, dass Wood in aus Sympathie, und um dem amerikanischen Publikum einen
halbwegs gewohnten Einstieg zu bieten, engagiert hat. Die Traumsequenz in Glen/Glendas Handlungsstrang nimmt leider viel zu viel Platz ein und sein - wie
sagt Udo so schön -
"What the fuck?"-Faktor (Fucktor?) verhindert eigentlich den seriösen Ansatz Woods, hier Aufklärungsarbeit leisten zu wollen. Jeder Kinogänger wird sich doch spätestens an der Stelle gedacht habe: "
DAS kommt also dabei heraus, wenn ein Transvestit Filme macht....".
Wie dem auch sei, "Glen or Glenda" gehört zu dem obskursten, was ich je gesehen habe und ist allein deshalb eine Empfehlung wert.